Mit seinem zweiten Album Vielleicht für ein paar Stunden, doch ich bin nicht diese Person (Veröffentlichung am 17.10.2025 über popup-records), legt Dennis Kiss das Tagebuch eines Wanderers vor, zwischen durchzechten Nächten, dunklen Gedanken und der Ekstase, die sich darin einschleicht. Nach seinem Debütalbum Norddeich Mole (2023), einer melancholischen, aber immer noch hoffnungsvollen Coming-of-Age-Indie-Platte, markiert das neue Werk einen Szenenwechsel: weg von der verträumten Nordsee, hin zur dunklen Nacht von Hamburg.
Vielleicht für ein paar Stunden, doch ich bin nicht diese Person ist ein Album, das aus der Perspektive einer Fledermaus betrachtet wird; es handelt von der Nacht und dem Verschwinden in all seinen Formen. Der Sänger berichtet darin von nächtlichen Ausflügen in die Bars der Nachbarschaft, von Exzessen im Backstage-Bereich und dem emotionalen Schock am nächsten Morgen. Dennis Kiss ist erwachsen geworden, und sein Blick auf die Welt ist zynischer geworden. Der Hamburger Künstler ist ein introspektiver und beobachtender Künstler, dem es gelingt, die Welt in einer eigenen Sprache darzustellen. Das Ergebnis ist eine Form von „Stadtteilpoesie“ – so dunkel wie Hamburg im Nebel. Ein Album für die Stadt, in der er geboren wurde.